... entstand in der Stadt Bremerhaven. Heute ist die Stadt das Pilotprojekt für die Kampagne Jugendklimarat. Aber wie ist die Idee damals entstanden? Das erzählt uns Till Scherzinger, Abteilungsleiter beim Magistrat der Stadt Bremerhaven.
Die Initiative zur Gründung eines Jugendklimarats ging damals vom Umweltschutzamt des Bremerhavener Magistrats aus: Bremerhaven wollte Kinder und Jugendliche stärker an politischen Entscheidungsprozessen im kommunalen Klimaschutz beteiligen, sie aber auch mit den Abläufen in einer Kommunalverwaltung vertraut machen.
Warum ist Kommunalpolitik so wichtig für den Klimaschutz?
„Weil das der Teil des Klimaschutzes ist, der weitgehend den Haushalt direkt betrifft oder auch die stärkste Einflussnahme auf das hat, was in den Haushalten passiert“, erklärt Till Scherzinger. „Wie klimafreundlich stelle ich eine Grundversorgung bereit? Wie klimafreundlich bringe ich Wasser in die Haushalte und wie klimafreundlich bringe ich Abwasser weg?“
Was war die Idee hinter der Gründung eines Jugendklimarats?
„Wir wollten Jugendlichen die Möglichkeit einräumen, in Verwaltungsarbeit reinzugucken: Wie wird Regierungshandeln kommunal im Verwaltungsgeschehen umgesetzt? Wo sind die richtigen Stellschrauben, an die man sich wenden kann, um vielleicht doch noch veränderte Entscheidungen herbeizuführen? Das ist das Anliegen, was wir mit dem Jugendklimarat verfolgen: Den Jugendlichen begreiflich zu machen, welche Möglichkeiten auf kommunaler Ebene gegeben sind, um die Geschicke dieser Stadt besser lenken, verstehen und sich einbringen zu können.“
Die Abläufe in einer Kommunalverwaltung sind dabei oft komplexer als gedacht. Scherzinger erklärt das am Beispiel der Baumpflanzaktion: „Die Jugendlichen überlegen sich nicht nur, wo und welche Bäume gepflanzt werden und fertig, sondern es wurde dann richtig Arbeit. Sie haben den ganzen Verwaltungsprozess mit uns durchlaufen: Wir als Umweltressort diskutieren mit anderen Ressorts in der Verwaltung, wo denn die Bäume hinsollen. Das ist gar nicht so trivial, es hat ein halbes Jahr gedauert, die richtige Fläche zu finden. Danach ging es ins Gespräch mit den Kollegen und Kolleginnen vom Gartenbauamt.“
Was hat der Jugendklimarat Bremerhaven inzwischen erreicht?
Seit 2015 hat der Jugendklimarat von Bremerhavens Kommunalpolitiker*innen ein Beratungs- und Rederecht im Bau- und Umweltausschuss der Stadtverordnetenversammlung erhalten. So passiert es regelmäßig, dass sich ein Ratsmitglied im Bau- und Umweltausschuss vor eine*n Politiker*in stellt und die eigenen Forderungen darlegt oder Verbesserungen vorschlägt. Forderungen wie eine autofreie Innenstadt, saubere Energie für die Seestadt, eine veränderte Taktung einer Buslinie oder ein Bike-Sharing-Projekt für Bremerhaven. Es ist auch schon vorgekommen, dass Politiker*innen die Verbesserungsvorschläge des Jugendklimarats aufgreifen und beispielsweise das Stadtplanungsamt sie an Stadtentwicklungsprojekten beteiligt. Für eigene Projekte stehen jährlich 8.000 Euro zur Verfügung.
Im Jahr 2020 gewann der Jugendklimarat Bremerhaven den Sonderpreis des Wettbewerbs „Klimaaktive Kommune 2020“. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird jährlich vom Bundesumweltministerium und dem Deutschen Institut für Urbanistik ausgelobt.
Für Kommunen, die sich über die Möglichkeiten eines Jugendklimarates informieren wollen, finden zwei kostenlose Online-Infoveranstaltung statt. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!
- Donnerstag, 19. Juni 2025: 10:30 bis 12 Uhr – Anmeldung via Zoom
- Montag, 23. Juni 2025: 10:30 bis 12 Uhr – Anmeldung via Zoom
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