Gebäudedämmung 2026: Einschätzungen aus Expertensicht
25. März 2026

Die Debatten um das neue GMG kreisen um die Vorgaben bei Heiz­technologien – kaum Aufmerksamkeit erhält hingegen das Thema energetische Sanierung der Gebäude­hülle. Die Europäische Gebäude­energie­effizienz­richtlinie (EPBD) sollte mit lang­fristigen Zielvorgaben für Planbarkeit und Investitions­sicherheit sorgen; Deutschland hat es allerdings bisher versäumt, die Richt­linie in nationales Recht umzusetzen.


Fakt bleibt: Am günstigsten ist Energie, die erst gar nicht verbraucht wird – damit bietet das Dämmen und energetische Sanieren der Gebäudehülle einen zentralen Hebel für die Wärme­wende. Wir fragen Robert Raschke-Kremer, Bautechniker und Energieberater, zu seiner Sicht auf die aktuelle Lage und Perspektiven für die Zukunft

Wie stellt sich aus Ihrer Sicht aktuell die Entwicklung von Sanierungs­projekten dar, wie ist die Stimmung in der Branche und bei den Kunden? 

Die meisten Bauherren erkennen den Mehrwert der Sanierung für die Zukunft! Insbe­sondere bei den jungen sehen wir, dass das Interesse nicht abreißt. Die EnergieEffizienzExperten (EEE) und ausfüh­renden Gewerke werden beständig angefragt. Das sehen wir insbesondere bei genehmi­gungs­pflichtigen Umbauten und Sanierungen im Bestand, wie z.B. der Dämmung der Außenfassade. 


Welche Wünsche haben Sie an die politischen Entscheider, um die energieeffiziente Sanierung in der Praxis zu vereinfachen? 

Die Genehmigungs­verfahren werden immer wieder als Bremse wahrgenommen. Daher sollten sie vereinfacht werden, um die Umsetzungs­quote von Sanierungs­maßnahmen zu steigern. Auch mehr Spielraum für individuelle Energiebilanz-Lösungen würde in der Praxis helfen und die Optimierung von aktuell genutzten Gebäuden erleichtern. 


Wolle, Schilfgras, Holz: Wie bewerten Sie den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen beim Dämmen, sehen Sie hier einen Trend? 

Bei nachhaltig bewegten Bauherren sind Dämm­stoffe mit geringem CO₂-Fußabdruck auf jeden Fall ein Thema. Aber auch im allgemeinen Markt sind Holzfaser­platten mittlerweile als Ersatz für Mineralwolle und Kunststoff ange­kommen, bei Allergikern findet Schafswolle enormen Zuspruch. Für Einblas­dämmungen bieten sich natürliche Materialien wie Zellulose oder Perlite an. Gräser oder Stroh hingegen haben bei allen Vorteilen doch eher ein Nischen-Standing.



Welchen Vorurteilen gegenüber natürlichen Dämmstoffen begegnen Sie am häufigsten?

Die Vorurteile begründen sich meist aus Ängsten vor Feuer, Fäulnis oder Insekten- und Kleintier­befall. Sie sind teilweise nicht ganz unbe­rechtigt. Bei meinen Bauherren-Seminaren (DIY-Academy) höre ich beispiels­weise immer wieder von Sieben­schläfern oder Wieseln, die sich in der Dämmung eingerichtet haben. Aber auch Wärme­dämm­verbundsysteme (WDVS) aus Schaumstoff­platten haben Liebhaber in der Vogelwelt. Mit passenden Maßnahmen lässt sich gegen ungebetene Mitbewohner Abhilfe schaffen, unabhängig vom eingesetzten Material.


Robert Raschke-Kremer  ist Bautechniker und Energieberater; sein Lieblingsthema ist das energieeffiziente Sanieren von Gebäuden, gern mit ökologischen Baumaterialien und vor allem für Selbstmacher. Sein Fachwissen teilt er deshalb im Rahmen der DIY-Academy mit Bauherren und Heimwerkern und verhilft damit auch Projekten zum Erfolg, die nicht an einen Fachbetrieb vergeben werden – sei es aus Kostengründen oder aus reiner Freude am Selbermachen. 

Weitere Informationen finden Sie in unserer unabhängig recherchierten Faktensammlung zum Thema Dämmung.

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