In seiner Kolumne „Sanierungs-Snacks“ beleuchtet unser Kollege Henry Schwietzke, wie Hauseigentümer*innen Sanierungsentscheidungen treffen und welche Maßnahmen wirklich unterstützen und wirken.
Woran scheitern Sanierungsprojekte? Intuitive Antwort: am Geld. Aber die Daten sagen etwas anderes. Forschung zum Entscheidungsverhalten von Hauseigentümer*innen zeigt: Finanzielle Gründe sind nicht der Hauptgrund für Sanierungsabbrüche. Die Mehrheit scheitert an Unsicherheit.

Studien belegen: Unsicherheit ausschlaggebender als Kosten
Laut
Sirius Campus Marktuntersuchung „Monitor zur Energiewende“ nennen nur rund 35% der Sanierungsabbrecher*innen finanzielle Gründe als Hauptgrund. Bei 23% spielten finanzielle Hürden überhaupt keine Rolle. Eine
qualitative KfW/IWU-Studie zu Sanierungsanreizen und -hemmnissen privater und institutioneller Eigentümer kommt zu dem Ergebnis, dass bei Sanierungsentscheidungen vorwiegend nicht-ökonomische Gründe ausschlaggebend sind: Ängste, unklare Erwartungen und fehlendes Vertrauen in den Prozess.
Auf EU-Ebene bestätigt die
Europäische Umweltagentur (EEA) in einem Briefing: Sanierungsbarrieren werden von der Politik systematisch unterschätzt, weil der Fokus zu stark auf finanziellen Anreizen liegt.
Energetische Modernisierung: drei Unsicherheiten
Betrachtet man einige Studien zum Entscheidungsverhalten von Hauseigentümer*innen, wird deutlich, dass im Kontext energetischer Modernisierung drei Arten von Unsicherheit unterscheidbar sind:
- Technische Unsicherheit: Ist das die richtige Maßnahme für mein Haus?
- Soziale Unsicherheit: Hat das schon mal jemand so gemacht?
- Prozessuale Unsicherheit: Was kommt wann auf mich zu?
Technisch
Ist das die richtige Maßnahme für mein Haus?
Sozial
Hat das schon mal jemand so gemacht?
Prozessual
Was kommt wann auf mich zu?
Die Schilderung
technischer Unsicherheiten findet sich bei
KfW/IWU (Ängste vor falscher Maßnahmenwahl), bei
IKND (55% kennen den Energiestandard nicht), und implizit bei
Sirius-Campus: nur 25% der Befragten fühlen sich bei der Handwerksqualität sicher.
Die Kategorie
sozialer Unsicherheiten stützt sich auf
Sirius Campus („fehlende Vorbilder“) und auf die
iBRoad-Studie (Unsicherheit über den Wert der Maßnahmen ohne Peer-Validierung).
Wilson et al. zeigen, dass Sanierungsentscheidungen nicht nur von technisch-ökonomischen Faktoren abhängen, sondern auch von sozialen Praktiken und dem Alltagsleben im Haus geprägt werden (soziale Normen als Entscheidungsheuristik).
Prozessuale Unsicherheiten werden ebenfalls in mehreren Studien beschrieben:
dena-Befragung (36% nennen unklare Abläufe) und
EEA (wahrgenommener Aufwand und erwartete Störungen bei Sanierungsmaßnahmen).
Unsicherheiten lindern, Sanierungsvorhaben beschleunigen
Den Unsicherheiten lässt sich mit passenden Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen gezielt begegnen, hier einige Beispiele:
- Technische Unsicherheit: Hier können möglichst individuelle Empfehlungen helfen, die mögliche Lösungen transparent anhand nachvollziehbarer Kriterien vergleichen. Entscheidend ist dabei, dass die Empfehlung neutral und unabhängig von Verkaufsinteressen erfolgt.
- Soziale Unsicherheit: Besonders die authentische Schilderung vergleichbarer Situationen im Rahmen von Erfahrungsberichten anderer Hauseigentümer*innen kann hier hilfreich sein, ebenso wie der direkte Austausch in einer Community.
- Prozessuale Unsicherheit: Eine Beschreibung der nötigen Schritte in eindeutiger Reihenfolge verleiht Orientierung und kann immer wieder dazu dienen, den Prozessfortschritt zu prüfen.
co2online bietet Kooperationspartnern eine breite Palette von Angeboten, die helfen, Sanierungsinteressierten die Unsicherheit zu nehmen und sie bis zur erfolgreich durchgeführten Maßnahme zu begleiten – von der ersten Online-Information mit den niedrigschwelligen EnergiesparChecks über die Vermittlung kompetenter Handwerker*innen und Energieberater*innen bis zum Erfahrungsaustausch in der VierWende-Community.
Henry Schwietzke arbeitet bei co2online an der Schnittstelle von Marktanalyse, Produkt- und Content-Strategie. Er widmet sich der Frage, warum Hauseigentümer*innen trotz grundlegender Bereitschaft nicht sanieren. Seine Erkenntnisse teilt Henry regelmäßig in seinen Sanierungs-Snacks für co2online.
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